Gelenke beim Hund: was wirklich vorbeugt und was nur teuer aussieht

Gelenke beim Hund: was wirklich vorbeugt und was nur teuer aussieht

 

Es fängt selten mit Humpeln an. Es fängt damit an, dass er morgens ein paar Sekunden länger braucht, bis er steht. Dass er beim Aufstehen kurz stehen bleibt, bevor er losgeht. Dass er sich auf dem Sofa anders hinlegt als früher.

Und weil er 8 ist, denkt man sich nichts dabei.

Genau an dieser Stelle entscheidet sich viel. Nicht, weil man sofort etwas kaufen müsste, sondern weil Gelenke zu den wenigen Dingen gehören, bei denen Vorbeugen messbar mehr bringt als Nachbessern. Und weil der wirksamste Schritt dabei nichts kostet.

Alt ist keine Diagnose

Die Annahme, dass Gelenkverschleiß beim alten Hund einfach dazugehört, stimmt so nicht. Bei Hunden über 8 Jahren sind knapp 60 Prozent der Gelenke im Röntgenbild frei von Arthrose. Am häufigsten betroffen ist der Ellbogen mit 57,4 Prozent, danach folgen die Schulter mit 39,2 Prozent, das Knie mit 36,4 Prozent und die Hüfte mit 35,9 Prozent.

Arthrose ist also häufig, aber sie gehört nicht automatisch zum Alter. Ein steifer alter Hund ist kein Naturgesetz.

Was dabei im Gelenk passiert, ist kein Verschleiß im Sinne von abgefahrenen Reifen. Der Knorpel verliert seine glatte Oberfläche, die Gelenkinnenhaut entzündet sich, der Körper baut am Rand des Gelenks Knochen an, und daraus entsteht ein Kreislauf. Schmerz führt zu weniger Bewegung, weniger Bewegung führt zu weniger Muskulatur, und weniger Muskulatur führt zu mehr Last auf dem Gelenk. Rückgängig machen lässt sich das nicht. Verlangsamen schon, und je früher, desto deutlicher.

Der größte Hebel liegt auf der Waage

Der wichtigste Hebel ist das Gewicht, und dafür gibt es ungewöhnlich gute Zahlen. 48 Labrador Retriever wurden ein ganzes Hundeleben lang begleitet, immer Geschwister gegen Geschwister gestellt. Die einen bekamen so viel Futter, wie sie wollten, die anderen 25 Prozent weniger. Sonst war alles gleich.

Mit 8 Jahren wurden die Hüften geröntgt. In der normal gefütterten Gruppe hatten 15 von 22 Hunden arthrotische Veränderungen. In der schlanken Gruppe waren es 3 von 21.

Weil die Hunde verwandt waren und gleich gehalten wurden, bleibt als Erklärung für diesen Unterschied vor allem die Futtermenge.

Und es blieb nicht bei den Gelenken. Die schlank gefütterten Hunde lebten im Median 13 Jahre, die normal gefütterten 11,2 Jahre. Das sind 1,8 Jahre Unterschied, allein über die Futtermenge. Auch behandlungsbedürftige chronische Erkrankungen traten später auf.

Daraus folgt nicht, dass du deinem Hund ab morgen 25 Prozent weniger in den Napf tun sollst. Die Hunde in dem Versuch wurden von klein auf so gefüttert und blieben dabei schlank, nicht dünn. Das Ziel ist keine Prozentzahl, sondern ein Hund, bei dem du die Rippen fühlst.

Und es ist nicht zu spät, wenn schon etwas da ist. Bei übergewichtigen Hunden mit Arthrose lässt die Lahmheit messbar nach, sobald 6,1 Prozent des Körpergewichts weg sind. Bei einem Hund mit 30 Kilogramm sind das keine 2 Kilo.

Der unangenehme Teil daran ist, wie verbreitet das Problem ist. In Deutschland sind je nach Erhebung bis zu 65 Prozent der Hunde und Katzen übergewichtig. Fettgewebe wirkt dabei nicht nur mechanisch. Es ist hormonell aktiv und setzt Stoffe frei, die Knorpel angreifen.

Was 25 Prozent weniger Futter bewirkt haben 48 Labrador Retriever über das ganze Leben begleitet, immer Geschwister gegen Geschwister Hüftarthrose mit 8 Jahren 68 % Normal gefüttert 15 von 22 Hunden 14 % 25 % weniger 3 von 21 Hunden Mediane Lebenszeit 11,2 Jahre normal gefüttert 13,0 Jahre 25 Prozent weniger Futter Unterschied 1,8 Jahre Quellen 2 und 3. Die Prozentwerte sind aus den genannten Hundezahlen berechnet.

Bewegung hilft, aber nicht jede

Der zweite große Hebel ist Bewegung, und zwar in einer sehr bestimmten Form. Gelenkknorpel hat keine eigene Blutversorgung. Er wird über die Gelenkflüssigkeit versorgt, und die wird durch Bewegung in den Knorpel hinein und wieder herausgedrückt. Ein Hund, der wenig läuft, versorgt seinen Knorpel schlechter.

Bei großen Rassen senkt regelmäßiger Freilauf im ersten Lebensjahr das Risiko, später Beschwerden an der Hüfte zu bekommen.

Entscheidend ist dabei die Gleichmäßigkeit. Das ungünstigste Muster ist der Hund, der unter der Woche kurz ums Haus geht und am Wochenende 4 Stunden am Rad läuft. Die Belastung kommt dann geballt auf eine Muskulatur, die nicht darauf vorbereitet ist, und die Muskulatur ist es, die das Gelenk führt und stabilisiert.

Praktisch heißt das drei Dinge. Lieber täglich 45 Minuten als einmal pro Woche 3 Stunden. Lieber wechselnder Untergrund wie Wiese, Waldboden und leichte Steigungen als immer nur Asphalt. Und lieber Trab als Sprint, weil der Trab die gleichmäßigste Belastung erzeugt.

Der zweite Grund, warum Bewegung zählt, ist die Muskulatur. Ein Gelenk wird nicht von Knochen zusammengehalten, sondern von dem, was drumherum liegt. Muskeln fangen einen Teil der Kraft ab, bevor sie auf dem Knorpel landet, und sie halten das Gelenk in der Spur. Genau deshalb ist ein gut bemuskelter Hund mit mittelmäßigen Hüften oft beschwerdefreier als ein schlaffer Hund mit guten Hüften.

Was ich streichen würde. Ballwerfen bis zur Erschöpfung. Der abrupte Stopp, die Drehung im Sprung und das Abbremsen auf einem Bein sind die Bewegungen mit der höchsten Spitzenlast, die im Hundealltag überhaupt vorkommen. Wenn dein Hund den Ball liebt, roll ihn über den Boden, statt ihn zu werfen.

Hüftdysplasie vorbeugen beginnt im ersten Lebensjahr

Ein großer Teil dessen, was später im Röntgenbild sichtbar wird, entsteht in den ersten Monaten. Wenn dein Hund längst erwachsen ist, gibt es hier nichts nachzuholen. Dann spring einfach zum nächsten Abschnitt.

Welpen großer Rassen, die in den ersten 3 Lebensmonaten Treppen laufen, bekommen häufiger eine Hüftdysplasie. Seltener bekommen sie Welpen, die täglich frei auf weichem, leicht unebenem Boden laufen dürfen, und Welpen, die auf dem Land aufwachsen.

Das sind Beobachtungen und keine Beweise, aber sie passen gut zusammen. Treppen erzeugen hohe punktuelle Last auf ein Gelenk, dessen Pfanne sich gerade erst formt. Weicher unebener Boden erzeugt viele kleine Reize und baut Muskulatur auf.

Der zweite Punkt im ersten Jahr ist der Kastrationszeitpunkt. Bei mehreren großen Rassen geht eine Kastration vor dem 1. Geburtstag mit einem 2- bis 4-fach erhöhten Risiko für Gelenkerkrankungen einher, verglichen mit unkastrierten Hunden. Bei kleinen Rassen fand sich dieser Zusammenhang nicht.

Die Erklärung dahinter ist plausibel. Geschlechtshormone beenden das Längenwachstum, indem sie die Wachstumsfugen schließen. Fehlen sie zu früh, wachsen die Knochen länger weiter, und die Winkel im Gelenk verschieben sich.

Daraus folgt kein Verbot. Es folgt daraus, dass der Zeitpunkt eine eigene Entscheidung ist und in die Tierarztpraxis gehört, zusammen mit Rasse, Größe und Situation deines Hundes.

Gilt das alles auch für kleine Hunde? Gewicht und Bewegung gelten für jeden Hund, unabhängig von der Größe. Die Zahlen zur Hüfte und zum Kastrationszeitpunkt stammen dagegen überwiegend von großen Rassen und lassen sich nicht einfach übertragen. Dass Arthrose trotzdem kein Problem großer Hunde allein ist, zeigen die Zahlen ganz oben. Sie stammen aus 181 Rassen, vom Chihuahua bis zur Dogge.

Woran du es früh merkst

Hunde zeigen Gelenkschmerz selten durch Humpeln. Humpeln kommt spät. Vorher ändert sich das Verhalten, und zwar so langsam, dass man es als Charakter verbucht.

  • Er braucht nach dem Liegen länger, bis er rund läuft.
  • Er setzt sich beim Warten hin, wo er früher gestanden hat.
  • Er nimmt die Treppe langsamer oder springt nicht mehr ins Auto.
  • Er wechselt die Liegeposition häufiger als früher.
  • Er spielt kürzer, aber gleich intensiv.

Keines dieser Zeichen beweist etwas für sich genommen. Mehrere davon zusammen sind ein Grund für einen Termin. Welche leisen Veränderungen beim älteren Hund sonst noch wichtig sind, steht ausführlich in Alter Hund: 7 Zeichen.

Was du ab heute tun kannst

Den Rippentest zur Gewohnheit machen

Streich mit flacher Hand seitlich über den Brustkorb. Du solltest die Rippen fühlen können, ohne zu drücken, so wie die Knöchel auf deinem Handrücken. Von oben betrachtet sollte hinter den Rippen eine Taille erkennbar sein. Beides ist aussagekräftiger als jede Zahl auf der Waage, weil es nicht von der Rasse abhängt.

Die Leckerlis mitrechnen

Der häufigste Grund für schleichende Gewichtszunahme sind nicht die Mahlzeiten, sondern alles dazwischen. Kaustangen, Trainingsleckerlis, der Rest vom Frühstück. Wenn du eine Woche lang alles notierst, siehst du das Problem meistens ohne Waage.

Den Boden entschärfen

Laminat und Fliesen zwingen den Hund bei jedem Aufstehen zu Ausgleichsbewegungen. Ein paar rutschfeste Läufer auf den Hauptwegen in der Wohnung kosten wenig und nehmen jeden Tag Last aus den Gelenken.

Sprünge aus dem Alltag nehmen

Der Sprung aus dem Kofferraum ist die höchste Einzelbelastung, die viele Hunde regelmäßig erleben. Eine Rampe oder kurz hochheben ändert daran mehr als jedes Präparat.

Muskulatur gezielt aufbauen

Bergauf gehen im Schritt, Slalom um Bäume und Bodenarbeit mit Stangen bauen genau die Muskulatur auf, die das Gelenk führt. 10 Minuten davon sind wirksamer als 30 Minuten Ballspiel. 

Der Rippentest in 3 Schritten Aussagekräftiger als jede Zahl auf der Waage, weil er nicht von der Rasse abhängt 1 Flache Hand seitlich über den Brustkorb Nicht tasten, nicht drücken. Einfach mit der ganzen Handfläche darüberstreichen. 2 Die Rippen sollten fühlbar sein Ohne Druck, so wie die Knöchel auf deinem Handrücken. Musst du suchen, ist es zu viel. 3 Von oben schauen Hinter den Rippen sollte eine Taille zu erkennen sein, keine gerade Linie. Einmal im Monat wiegen und die Zahl aufschreiben. 200 Gramm mehr sieht niemand, 200 Gramm im Monat schon.

Meine ehrliche Empfehlung

Wieg ihn einmal im Monat und schreib die Zahl auf.

Klingt banal, ist aber der einzige Weg, eine Gewichtszunahme zu bemerken, bevor sie sichtbar wird. 200 Gramm mehr sieht niemand. 200 Gramm im Monat sind nach einem Jahr 2,4 Kilogramm, und bei einem 15 Kilo schweren Hund ist das ein Sechstel seines Körpergewichts. Die meisten Tierarztpraxen lassen dich die Waage im Wartebereich auch ohne Termin benutzen.

Zum Ergänzungsfutter noch ein Satz, weil die Frage fast immer kommt. Am besten belegt sind Produkte mit Omega-3-Fettsäuren, zu denen auch Extrakte aus der Grünlippmuschel zählen. Untersucht wurde das allerdings an Hunden, die bereits Arthrose haben. Es geht dort also um Linderung und nicht um Vorbeugung.

Ehrlich gesagt. Kein Ergänzungsfutter ersetzt das, was auf der Waage und auf der Gassirunde passiert. Unsere Gelenktabs setzen bei der Grünlippmuschel an und sind als Begleitung im Alltag gedacht. Eine Behandlung sind sie nicht. Wenn dein Hund Schmerzen hat, gehört er in die Praxis.

Häufige Fragen

Ab wann sind Gelenktabletten für den Hund sinnvoll?

Am naheliegendsten ist der Einstieg, wenn erste Anzeichen da sind oder eine Diagnose vorliegt, also etwa bei Steifheit nach dem Liegen oder wenn dein Hund ins Seniorenalter kommt. Viele Halter beginnen auch früher, bei großen Rassen oder bei Hunden, die viel arbeiten. Dagegen spricht nichts, solange klar bleibt, dass ein Präparat Gewicht und Bewegung ergänzt und nicht ersetzt.

Mein Hund ist steif nach dem Aufstehen. Ist das schon Arthrose?

Nicht unbedingt, aber es ist das typischste frühe Zeichen. Wenn die Steifheit nach ein paar Minuten Bewegung verschwindet und nach Ruhe wiederkommt, spricht das eher für das Gelenk als für Muskelkater. Ein Termin lohnt sich, weil die Behandlung im frühen Stadium mehr bewirkt.

Sollte ich meinen Welpen keine Treppen laufen lassen?

Welpen großer Rassen, die in den ersten 3 Monaten Treppen laufen, bekommen häufiger eine Hüftdysplasie. Das ist ein Zusammenhang und kein Beweis, aber der Aufwand ist gering. Tragen statt laufen lassen in den ersten Monaten ist bei großen Rassen eine günstige Vorsichtsmaßnahme.

Kann man Arthrose beim Hund heilen?

Nein. Der Umbau am Gelenk ist nicht rückgängig zu machen. Was sich beeinflussen lässt, ist der Verlauf und wie viel dein Hund davon spürt. Genau das ist der Grund, warum sich der Aufwand vorher so viel mehr lohnt als der Aufwand danach.

Mein Hund ist schon übergewichtig. Bringt Abnehmen jetzt noch etwas?

Ja, und schneller als die meisten erwarten. Die Lahmheit bessert sich messbar, sobald 6,1 Prozent des Körpergewichts weg sind. Das ist bei vielen Hunden eine Frage von wenigen Wochen.

Fazit

Bei Hundegelenken entscheidet nicht eine einzelne Maßnahme, sondern das, was über Jahre nebeneinander läuft.

Den größten Einfluss darauf, wie die Gelenke deines Hundes später aussehen, hat das Gewicht. Gleichmäßige Bewegung auf wechselndem Untergrund steht direkt daneben, und ein Präparat kann beides begleiten.

Das Gute daran ist, dass die beiden wirksamsten Schritte nichts kosten. Du brauchst dafür vor allem eine Hand am Brustkorb und eine Runde, die zu deinem Hund passt.

Jetzt bist du dran. Wie haltet ihr das Gewicht bei euch im Griff, und was hat bei deinem Hund am meisten geholfen? Schreib es gern in die Kommentare.

Und wenn dein Hund älter wird. Welche leisen Zeichen du nicht übersehen solltest, steht in Alter Hund: 7 Zeichen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Lahmheit, Schmerzen oder plötzlicher Bewegungsunlust wende dich bitte an deine Tierarztpraxis.

Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle fachlichen Aussagen sind anhand der unten genannten Quellen kontrolliert.

Quellen

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